Schwester Agnes

Das Schwalbe Moped - der Sound des Ostens

Die Schwalbe war das Volksmoped der DDR! Dass es die Mopeds heute noch gibt, hätten damals die wenigsten vermutet! Denn die Schwalbe war eigentlich eher ein Frauenmoped! Und nur wenige Männer ließen sich damit gerne sehen. „Richtige“ Männer, die es sich leisten konnten, fuhren lieber andere Mopeds.

Heute sieht das alles ein bisschen anders aus! Die Schwalbe hat sowohl männliche wie weibliche Liebhaber/innen. Ganze Fankurven fahren durch Suhl, wenn dort ein Schwalbe-Jubiläum gefeiert wird. Suhl ist der Geburtsort der Schwalbe – hier fing vor mehr als 50 Jahren alles an. In Suhl steht das ehemalige Simson-Werk, in dem einst mehr als eine Millionen Schwalben produziert wurden.

Dass die Schwalbe damals eher ein Frauenmoped war, hat vor allem mit dem frauenfreundlichen Bauschnitt, dem „Durchstieg“ zu tun. Dieser macht es möglich, dass Frauen, die einen Rock oder ein Kleid tragen, auf ihr Moped steigen können ohne zu viel von sich preiszugeben. Um auf die Schwalbe zu kommen, muss das Bein also nur gemäßigt gehoben werden.

Die rasende Schwester Agnes und ihr Schwalbe Moped

In der DDR wurde die Schwalbe vor allem durch sie berühmt: Schwester Agnes! Die rasende Gemeindeschwester aus der Defa-Serie war zu Zeiten der DDR gern gesehen. Und so kam es, dass Schwester Agnes für die Entwicklung der Schwalbe eine prägende Rolle spielte.Trotz Schwester Agnes und anderen Kultfiguren aus der DDR galt vieles, was heute „in“ ist, in der DDR als „altbacken“ oder konservativ. So zum Beispiel der Spritzschutz oder die Blechverkleidung. Die Schwalbe galt bei nicht wenigen als „Rentnerfahrzeug“, als Fahrzeug für ältere Herrschaften oder Volkspolizisten. Nicht zuletzt, weil auch in Serien wie „Das Sandmännchen“ die Schwalbe den Sandmann hin- und herkutschiert.

Heute sieht das alles ganz anders auch. Was früher belächelt wurde, ist jetzt Kult. Die Ostmopeds sind zur Leidenschaft geworden. Zusammen mit anderen Moped-Fans wird an den Mopeds geschraubt, das Moped wird poliert und aufgemotzt. An der Schwalbe ist alles reparabel – die einfache DDR-Technik macht es möglich – und das macht sie auch für viele so besonders! Mit dem Rat und der Hilfe anderer Moped-Freunde werden viele Stunden und Tage in der Garage verbracht, um Simson Ersatzteile an das Moped zu schrauben und um das Moped wieder fit zu machen. So tauscht man sich aus und bastelt mit anderen an den Simson Teilen und an seinem Moped.

Und was die Schwalbe neben vielen anderen Dingen auch besonders macht, ist ihre Geschwindigkeit.

Damals wie heute macht sie mit ihren 60km/h die Straßen unsicher - und das legal.Während andere Mopeds diese Fahrgeschwindigkeit gesetzlich nicht erreichen dürfen, ist die Schwalbe das einzige deutsche Moped, das mit 60km/h unterwegs sein darf. Nicht zuletzt ein Grund, warum das Moped sich nach dem Mauerfall im Westen so schlagartig verbreitete.So ist und bleibt das Lebensgefühl auf den Blechvögeln unbezahlbar.

Schwester Agnes – nicht ohne ihr Schwalbe Moped

Einen Blick auf die berühmte Gemeindeschwester Agnes aus der DDR können Sie in dem Video „Schwester Agnes“ werfen. Hier sehen Sie mehrere Filmsequenzen, in denen Agnes mit ihrer Schwalbe zum nächsten Noteinsatz düst. Der Film aus dem Jahr 1975 wurde vom Regisseur Otto Holub gedreht. Im Mittelpunkt steht Schwester Agnes mit ihrer gutmütigen, aber auch nicht selten anstrengenden Art und Weise. Sie ist um die Sorgen aller Gemeindemitglieder besorgt und mischt sich deswegen nicht selten in Dinge ein, die nicht jedem Freude bereiten. Ein Blick ins Video ist auf jeden Fall lohnenswert. Nostalgie pur für Moped-Fans!